Heft 5

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Schermbecker Hefte Nr. 5 August 2007

"Die Bildersprache des Schermbecker Passionsaltars"

Das Heft 5 kann zum Preis von 13,50 € beim Heimatverein erworben werden.

 

Aus dem Inhalt:                                                                 

Funktionen und Aufgaben eines Flügelaltars                                

Der geschlossene Altar, Maria und St.-Georg

Gabriel und Maria

Weitere Bildelemente    

Mit und ohne Goldgrund

Legende des St.-Georg

Die Darstellung des Drachenkampfes

Der geöffnete Altar

Die linke Innentafel

  1. Gebet Jesu im Garten Gethsemane
  2. Gefangennahme Jesu
  3. Jesu verlässt den Palast des Hohenpriesters
  4. Die Handwaschung des Pilatus
  5. Die Geißelung Jesu
  6. Die Dornenkrönung Jesu
  7. Die Zurschaustellung Jesu

Der Mittelteil des Altars

  1. Auszug aus dem Stadttor
  2. Tod des Judas
  3. Die Kreuzaufnagelung Jesu
  4. Die Kreuzigung Jesu mit allen Figurengruppen
  5. Die Kreuzabnahme

Die rechte Innentafel

  1. Die Höllenfahrt Jesu
  2. Die Auferstehung Jesu
  3. Die Himmelfahrt Jesu
  4. Pfingsten

Die rheinischen Marschälle

  1. Antonius Abbas
  2. Quirinius von Neuß
  3. Cornelius
  4. Hubert von Lüttich

Hersteller des Passionsaltars

Allgemeine Anmerkungen

  1. Werkstatt Derick Baegert
  2. Wer bestimmte die Geschicke Schermbecks in der Zeit von 1483 bis 1506

 

Der Heimat- und Geschichtsverein Schermbeck e.V., der zu seinen Aufgaben auch die Präsentation historischer örtlicher Ereignisse zählt, hatte eine Sonderausstellung dem 500. Geburtstag des Passionsaltars der Schermbecker St.-Georgskirche gewidmet. Diese Ausstellung trug den Titel „Die Bildersprache des 500 jährigen Passionsaltars in der Schermbecker  St.-Georgskirche“. Sie wurde am 1. Dezember 2006 eröffnet und war bis zum Herbst 2007 zu sehen. Unmittelbar nach ihrer Eröffnung wurde an den Verein bereits der Wunsch herangetragen, ein Buch mit den Bildern und vor allem den dazu gehörigen prägnanten Kurztexten herauszugeben. Mit diesem Büchlein wird diesem Wunsche entsprochen.

Foto des kompletten ausgeklappten Altars:

Details:

 

Die Darstellung des Drachenkampfes

Die Drachenkampflegende erzählt, dass der Drache von der Bevölkerung der Stadt Silene, die er bedrohte, täglich zwei Schafe erhielt. Als die Anzahl der Schafe nicht mehr ausreichte, wurden ein Schaf und ein Kind geopfert, bis schließlich der König auch seine eigene Tochter, die Prinzessin Aga, dem Monstrum ausliefern musste. Als die weinende Prinzessin den tapferen Georg traf und ihm ihr Unglück schilderte, nahm dieser den Kampf mit dem Drachen auf und besiegte ihn.

Im Vordergrund dieses Flügelbildes findet das dramatische Geschehen statt. Mit einem gut gezielten Lanzenstich in das aufgerissene Maul des Untiers erlegt Georg den gefährlichen Drachen, der diesem Ritter in blinkender hochmoderner Rüstung nicht widerstehen kann. Georgs Pferd ist, wie fast immer, ein Schimmel. Das weist auf den Rang dieses Heiligen hin. Weiß symbolisiert die Vertreterschaft Christi. Papst, Fürsten, und Herrscher ritten auf weißen Tieren, wie auch der weiße Hase und die weißen Schwäne dieses verkörpern. Auch das rote Kreuz auf weißem Grund auf seinem Schild gehört zum Hl. Georg. Die weiße Fahne mit rotem Kreuz war im Mittelalter die Fahne der Kriegsheere und auch die Fahne der Georgsorden. Der Maler hat auf diesem Altarbild auf der Satteldecke das weiße Kreuz auf rotem Grund umgekehrt; dies ist die Triumpffahne Jesu. 

Totenschädel und Gebeine auf dem Erdboden belegen die Gefräßigkeit des Drachens. Auf einer Felsscholle beobachtet verängstigt die gerettete Prinzessin Aga, neben ihr ein weißes Lamm, dass das Opferlamm Jesu symbolisiert, die heldenhafte Tat. Im Hintergrund sind auch ihre Eltern zu entdecken, die in sicherer Entfernung und im Schutz einer massiven Burg den siegreichen Kampf des Ritters verfolgen.

 

 

2. Gefangennahme Jesu

Diese Szene ist kombiniert mit der vom Judaskuss und der von Petrus mit Malchus.

 

                  

 

In der Mitte ist Jesus, bedrängt auf der einen Seite von Judas, der ihn küsst, und auf der anderen Seite von einem Soldaten, der ihm zum Zeichen seiner Festnahme die Hand auf die Schulter legt. Hinter dieser Gruppe sieht man die herandrängenden Soldaten. Seitlich zum Bildrand ist Petrus mit Malchus zu sehen; Petrus wiederum mit der rechten Hand das Schwert schwingend und mit grauen Haaren. Mit der linken Hand fasst er Malchus, der gestürzt ist, am Schopf. Malchus hält eine am Boden liegende Laterne. Die Laterne ist ein Hinweis auf die nächtliche Stunde, in der die Festnahme Jesu stattfindet.

 

Werkstatt Derick Baegert

Das Datum der Fertigstellung steht auf der Innenseite des rechten Altarflügels am unteren Bildrand in der Konsole der Säule, die die Bildfläche teilt.

Derick Baegert (ca. 1440 – 1515) war Maler monumentaler Passionsaltäre und Gerichtsbilder und führte eine Malerwerkstatt/-schule in Wesel von 1465 bis 1515. In dieser Werkstatt entstand nach Meinung der Wissenschaft der für die St.-Georgskirche bestimmte Flügelaltar. Flügelbilder oder deren Teilabschnitte bzw. Passionsaltäre oder deren Teilabschnitte aus dieser Malerwerkstatt befinden sich u.a.:

Im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster,

in der ehemaligen Dominikaner- heute Propsteikirche in Dortmund,

im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg,

in der Nicolaikirche in Kalkar

sowie in der Alten Pinakothek in München

und dem Musees Royaux in Brüssel .

Die Altäre der zwei zuletzt genannten Aufbewahrungsorte  befanden sich früher in der ehemaligen Laurenzkirche in Köln.

Besonders bekannt ist die „Eidesleistung“ im Weseler Rathaus 

 

 

 

 

 

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